Ätherische Öle in der Spagyrik

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Ätherische Öle in der Spagyrik, Referat vom 2.9.2015 von Vera Bergmeyer

Vor 7000 Jahren wurden bereits im asiatischen Raum aromatische Pflanzen angebaut und mittels einfacher Destillationsgeräte bearbeitet. In einem 5000 Jahre alten pakistanischen Grab wurde ein Destillationsgefäß gefunden. Es ist bekannt, dass bereits vor Christi der Einsatz von aromatischen Pflanzen in der Bekämpfung von z.B. Seuchen (Zeder, Wacholder u.a.) verbreitet waren.

In Ägypten hat Kleopatra alchemistisch gearbeitet und dabei auch viel Duftpflanzen genutzt.

Avicenna (980-1037 n. Chr.), ein persischer Arzt, Philosoph, Physiker und Achemist, hat Jahrhunderte späte den Destillationsprozess verfeinert und für die Herstellung der ätherischen Öle entwickelt. Auf ihn geht die erste Beschreibung der Wasserdampfdestillation für Pflanzen zurück. Er hat die Verfahrensweisen und auch die Wirkweisen ätherischer Öle schriftlich festgehalten, so dass wir heute über den Stand dieser Zeit einen guten Einblick haben.

Im Mittelalter war Europa zunächst von einigen Entwicklungen im asiatischen Raum abgeschnitten. Mit der Zeit schwappten die Erkenntnisse über Spanien nach Europa über. Der Destillationsprozess wurde zunächst eher für Herstellung bestimmter Alkohole und Parfüme verwendet. In der alchemistischen Arbeit war die Herstellung von Weingeist relevant. Räucherwerk ist auch im Mittelalter wichtiger Teil der Medizin gewesen (z.B. Lavendel gegen die Pest). Ätherische Öle jedoch standen zunächst nicht im Zentrum des Interesses. Vielmehr wurde bei der Destillation von Pflanzen das Hauptaugenmerk auf das Hydrolat (Pflanzenwasser) gelegt. Diese wurden zum heilerischen Zwecken, als auch zum Baden oder als Parfüm verwendet.

Das Hydrolat ist der wasserlösliche Teil des Destillates, nach ein oder mehrfacher Destillation, auf dem das ätherische Öl schwimmt. Das Hydrolat enthält die wasserlöslichen Pflanzeninhaltsstoffe und in gewisser Menge auch suspendiertes ätherisches Öl. Seine Wirkung kann der des ätherischen Öls sehr ähnlich sein (oft milder), kann aber auch davon abweichen.

Bei Paracelsus ist nach meiner Kenntnis nichts von der Herstellung und Anwendung ätherischer Öle als solcher zu lesen. In seiner Arzneimittellehre steht die Herstellung des Arcanums im Zentrum, die einen alchemisch komplexen Prozess einschließlich genauer Kenntnis der Pflanze durch den Alchemisten voraussetzen. Im Folgenden sind fünf Auszüge aus dem „Buch Paragranum“ vorgestellt, die die Komplexität des alchemischen Vorgangs als die weiteren notwendigen Bedingungen für das Gelingen von Gesundung beschreiben.

Die Zubereitung soll so geschehen, daß die vier corpora von den arcanen geschieden werden, und dann muß man das Wissen haben, welches das astrum in diesem arcanum ist, und dann, welches das astrum dieser Krankheit ist, welches das astrum in der Arznei gegen die Krankheit ist. Da setzt nun das Dirigieren ein; wenn du eine Arznei einnimmst, muß der Magen sie dir bereiten, und er ist der Alchimist. Wenn es dem Magen möglich ist, es dahin zu bringen, daß die astra sie annehmen, dann wird sie dirigiert, wenn nicht, dann belibt sie im Magen und geht mit dem Stuhlgang ab. Was ist Höheres an einem Arzt als das Wissen von der Konkordierung beider astra! Denn da liegt der Grund aller Krankheiten.“ (S.75, Das Buch Paragranum)

Deshalb begreift allein das: daß es die arcana sind, die die Tugenden und Kräfte sind, deshalb sind sie volatilia (zum Fliegen befähigt, flüchtig) und haben keine corpora und sich chaos und sind clarus (leuchtend, erlaucht, rein) und sind durchsichtig und sind dem Gestirn untertan. Und wenn du das Gestirn kennst und die Krankheit kennst, dann kannst du verstehen, wer dich führt und was etwas vermag. Die arcana beweisen es, daß nichts dran ist an den humores, qualitates, complexiones…, an dem: und das und das ist melancholia und das ist phlegma etc. – sondern: das ist Mars, das ist Saturnus, und das ist das arcanum Martis und das arcanum Saturni! (S.76, Das Buch Paragranum)

Nachdem ein Arzt diese Dinge wissen soll, so steht es ihm wohl an, daß er das Wissen hat, was calcinieren (Glühen von Substanzen zur Austreibung flüchtiger Stoffe), was sublimieren (Verdampfen eines Stoffes ohne vorherige Verflüssigung und Verdichtung der Dämpfe zu Subimat) ist; nicht nur die Handgriffe, sondern sich dabei verändert – worauf es ankommt, als aufs erste. Denn diese Dinge, die bei der Bereitung wahrgenommen werden, führen zur Zeitigung, didie Naturz oft nicht vollzogen hat. Und auf die Zeitigmachung muß der Arzt seine Kunst richten; er ist Herbst, Sommer und Gestirn, in dem er sie vollenden muß. Das Alchimistenfeuer ist die Erde, der Mensch, die Ordnung, die Dinge, an denen er arbeitet, sind der Samen.“ (S.76, Das Buch Paragranum)

Und wie beim Korn, das in der Erde fault, ehe es wächst und in die Frucht geht, so vollzieht sich hier im Feuer die Zerbrechung: da fermentieren sich die arcana und legen die corpora ab und machen sich daran, aufzusteigen in ihre exaltiones (erhöhtes Sein, Steierung), was während des Calcinierens, Sublimierens, Reverberierens (Erhitzen durch direkte Flamme), Solvierens etc. geschieht, und dann ein zweites Mal reiteration (Wiederholung), das ist die transplantation. Alle diese Tätigkeiten werden bewirkt durch den Lauf der Zeit; eine Zeit gehört der äußeren Welt an, eine Zeit dem Menschen.“ (S.77, Das Buch Paragranum)

Denn die Tugend, die im Sahpir liegt, gibt der Himmel durch solution, coagulation, fixation (Lösung; Gerinnung/Erstarrung; Festmachen einer flüchtigen Substanz). Wenn aber die Tätigkeit des Himmels so beschaffen ist, daß er durch diese drei Dinge gehen muß, bis ers zum Sphir bringt, dann muß auch die Zerbrechung des Saphirs, durch diese drei Punkte gehen. Die Zerbrechung geht so vor sich, daß die corpora weggenommen werden und das arcanum bleibt. Denn ehe der Saphir war, ist kein arcanum dagewesen, dann aber, wie dem Menschen das Leben, ist dieser materia das arcanum durch den Himmel gegeben worden.“ (S.77, Das Buch Paragranum)

Ens astrale (atrum= Stern) – Über die die Kraft und Wesen der Gestirne und ihre Gewalt über den Leib (Umweltfaktoren).

Das Hydrolat, welches wieder und wieder in den Destillationsprozess zurückgeführt wird, bis es schließlich als Arzneimittel zur Verfügung steht, ist meiner Ansicht nacht einem anderen Prozess unterworfen als die der Destillation eines ätherischen Öles. Das ätherische Öl wird i.d.R. nach dem Entstehen abgenommen. Es ist bereits fertig, wenn es sich nach dem ersten Destillationsvorgang auf dem Hydrolat absetzt. Beim zweiter Destillationsvorgang wird nur das Hydrolat oder die Pflanze neu destilliert, und das wieder mit dem Ziel, weiteres Öl zu gewinnen. Dieser Vorgang ist eher ein Extraktionsvorgang, ein technisches Verfahren zur Extrahierung bestimmter Inhaltsstoffe von Pflanzen. Auch für Paracelsus ist die Arzneiherstellung eine Produktion eines potenten Mittels. Auch hier wird mit Abscheidung von Stoffen gearbeitet, allerdings im Sinne einer Verwandlung der Pflanze, unter der Leitung der Gestirne und durch das Einwirken des Therapeuten, der seine Kenntnisse vom Wesen der Krankheit und der Pflanze einbringt, damit diese miteinander wirken können.

In Europa kam es erst im 15./16. Jahrhundert zur Veränderung des Destillationsprozesses und zur Herstellung der ätherischen Öle. Im 17. Jahrhundert wurden ätherische Öle als solche angewendet. Wichtig für die Verbreitung waren die Werke von Nichola Culpeper (1614-1654). Als 1910 der Chemiker René Maurice Gattefossé seine massiven Verbrennungen, die er sich im Labor zugezogen hatte, mit Lavendelöl behandelte und wieder Erwarten keine Narbe zurückblieben, bekam die körperliche medizinische Behandlung mit ätherischen Ölen einen weiteren Aufschwung. Erst im 20. Jahrhundert entstand eine eigenständige Behandlungsform, die Aromatherapie.

Literatur:

1) Geschichte der ätherischen Öle, Neroliane, unter http://www.neroliane.de/geschichte-der-aetherischen-oele abgerufen am 6.9.15

2) Fahrende Heiler und Heilmittelhändler, Christian Probst, 1992

1) Hydrolate, Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrolate, abgerufen am 6.9.15

2) Der andere Arzt, Das Buch Paragranum, Paracelsus, Eingeleitet und übertragen von Gunhild Pörksen, Frankfurt a.M. 1990.

3) Paracelsusmedizin, 2001, Olaf Rippe u.a., S.19

4) Lavendel wirkt auch als Liebestrank, Badische Zeitung, 29.4.15, unter

http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/der-lavendel-wirkt-auch-als-liebestrank—104129827.html, abgerufen am 6.9.15

5) Lavendel, NHV Theophrastus, abgerufen unter: http://www.nhv-theophrastus.de/site/images/docs/Lavendel-Faltblatt.pdf, abgerufen am 6.9.15

6) Die alchemistische Medizin, Satureja.de, unter: http://www.satureja.de/html/die_alchemistische_medizin.html, abgerufen am 6.9.15

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