Einführung in die Alchemie – Teil 1

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Eine Annäherung an die große Kunst und in ein weites Gebiet.

Definition

„Die Alchemie (auch Alchimie oder Alchymie), von den Alchemisten auch als Königliche Kunst bezeichnet, dient, wo sie ihrem ursprünglichen Sinn treu bleibt, der geistesgemässen Verwandlung der Stoffeswelt, die zugleich zu einer inneren geistigen Wandlung des Alchemisten beitragen soll.“

(Zitat/ Definition aus: http://anthrowiki.at/Alchemie)

Ursprünglich leitet sich das Wort Alchemie vom arabischen al-ḫīmiyāʾ oder al-kīmiyāʾ ab. Mit diesem Namen bezeichneten die Ägypter ihr Land als „Schwarzes Land“ oder „Schwarze Erde“, was sich auf die fruchtbaren Böden des Niltals bezog. Sie wurde daher auch als „Kunst der Ägypter“ verstanden. Im Koptischen wurde daraus Kīmi oder Kīmə und im Altgriechischen Kymeía. Letzteres wurde mit der gleichen Wortstammeswurzel als „Lehre des Giessens“ bezeichnet.

Vom Wissenschaftshistoriker Karl Christoph Schmieder wurde überliefert: “Als Plutarch nach der Bedeutung dieses Wortes fragte, zeigte man ihm das Schwarze im Auge. Es war eine witzige Hieroglyphe für »Dunkel, schwer einzusehen«, d.h. Geheimnis.” (Lit.: Schmieder, S 52)

Goldmacherei? Lebenselixier? Geistige Prozesse zur Erkenntnis?

Die Herangehensweisen an die Alchemie sind vielfältig. Zum einen liegt dies in der Entwicklung und Veränderung der ursprünglichen Alchemie durch unsere Zeitepochen und die sich daraus entwickelnden alchemistischen Zweige mit dem jeweiligen alchemistischem Verständnis. Und zum anderen an den unterschiedlichen Interessen.

So gab es Alchemisten v.a. im Mittelalter, die sich der rein materiellen Seite des alchemistischen Schaffens hingaben, in der Hoffnung, unedle Metalle in das edelste aller Metalle – Gold – zu verwandeln. Bis heute ist es nicht wirklich nachgewiesen, ob es jemals rein stofflich gelang. Vor allem verarmte goldhungrige Könige sperrten Alchemisten durchaus in Verliese und versuchten unter Folter die geheimen Formeln des Goldmachens zu erpressen. Vielleicht liegt hier einer der Gründe der verschlüsselten alchemistischen Symbol- und Bildersprache (wie z.B. bei der „chymischen Hochzeit“). Auch ist bekannt, dass nicht wenige experimentierende Alchemisten an der Einnahme entstandener Produkte verstarben, wie z.B. durch Quecksilbervergiftung. Im Glauben, das erhoffte „Lebens-Elixier“ hergestellt zu haben, das das Leben verlängern und zur Unsterblichkeit führen sollte. Viele Alchimisten begaben sich daher mit einer gewissen Ehrfurcht und bestimmten Massnahmen in ihre Laboratorien.

Eine ganz andere Herangehensweise lässt das Alchemie-Verständnis der mittelalterlichen Rosenkreuzer erkennen: sie studierten die Naturvorgänge, die sie als die Erdvorgänge der Natur ansahen, und bezogen sie auf die menschlichen Eigenschaften (Salzbildungsprozess, Quecksilberprozess, Schwefelprozess als Analogien zu Körper, Geist und Seele).

Auch bildete sich die Spagyrik –  die pharmazeutische und therapeutische Umsetzung der Alchemie – im Mittelalter besonders aus. Hier seien nur kurz der wohl bekannteste Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph Paracelsus (1493 – 1541) und zu späterer Zeit der Schriftsteller und Alchemist Alexander Freiherr von Bernus (1880-1965) genannt.

Auch die Psychoanalyse beschäftigte sich mit Zweigen aus der Alchemie. Der Psychoanalytiker C.G. Jung (1875 -1961) glaubte, dass die Symbole und Bilder, die dem Alchemisten bei seiner „Laborarbeit“ erschienen, Projektionen aus seinem Unbewussten seien. Er fühlte sich dem geistig-spirituellen Zweig der Alchemie verbunden, mit dem Ziel der geistigen Erneuerung (beschrieben als „Prozess der Individuation“) – dem Werdeprozess der Persönlichkeit zur Vollkommenheit.

Nebenprodukte

Ohne Zweifel hatten die früheren alchemistischen Prozesse oder „Operationen am Labortisch“ mit den Planetenmetallen – Silber (☾), Quecksilber (☿), Kupfer (♀), Gold (☉), Eisen (♂), Zinn (♃) und Blei (♄) –  in Verbindung mit den stofflichen Ursubstanzen Salz, Quecksilber und Schwefel – sichtbare Ergebnisse. Wir verdanken der Alchemie unter anderem die (Wieder-)Erfindung des Porzellans und Schwarzpulvers in Europa. Der Alchemist Cascariolo aus Bologna stellte 1604 erstmals einen Phosphoreszenz-Farbstoff her, den so genannten „Bologneser Leuchtstein” (auch „Lapis Solaris”). Diese Entdeckung führte 1652 zu ersten spektroskopischen Untersuchungen (über die Natur des Lichtes). Der Hamburger Alchimist Heinrich Hennig Brand entdeckte, ursprünglich auf der Suche nach dem „Stein der Weisen“, 1669 die Chemilumineszenz des weißen Phosphors (“Phosphorus mirabilis”) und damit die erste Chemilumineszenzreaktion. Weisser Phosphor leuchtet im Dunkeln, doch damals gab es keine Nachfragen für Nachtlampen und Brand wurde nicht reich und verkaufte das Herstellungsrezept an einen anderen Alchemisten, der damit ein Vermögen machte. Weißer Phosphor wurde anfangs auf Grund seiner faszinierenden Eigenschaft als Heilmittel verwendet. Später erhielt er eine wichtige Bedeutung bei der Streichholzherstellung; da weißer Phosphor hochgiftig ist, kam es jedoch oft zu schweren Vergiftungen bei Arbeitern, die mit ihm in Berührung kamen. Mit diesen Erkenntnissen wurde weißer Phosphor schliesslich beim Militär als Füllmaterial von Brandbomben (Phosphorbomben), verwendet. Die britische Luftwaffe setzte im Zweiten Weltkrieg ein Gemisch aus weißem Phosphor und Kautschuk ein, wodurch schlecht heilende Wunden entstehen.

Schon aus dieser letzten Geschichte wird deutlich: die Alchemie hat zwei Gesichter, ein sinnvoll Dienliches und ein offenbar Zerstörerisches, und es eröffnet sich die Frage, zu welchen Zwecken man sie (be-)nutzt. In welcher Absicht und innerer Haltung der Alchimist ihr begegnet.

Der Stein der Weisen

Das Erlangen von „Gold“ – oder dem „Stein der Weisen“ – eint alle unterschiedlichen Herangehensweisen. Hier befinden wir uns schon auf tieferer Spurensuche zum alchemistischen Ziel, des „großen Werkes“, als „Opus Magnum“ oder „Meisterwerk der Alchemie“ bezeichnet: der Zubereitung des „Steins der Weisen“ aus der „prima materia“, mit dessen Hilfe unter anderem unedle Metalle durch Transmutation (Veränderung) zum edelsten aller Metalle (Gold) verwandelt werden sollen.

Was hat es damit auf sich – mit dem Stein der Weisen“  –  dessen Suche mit vielen Entbehrungen und oftmals brennender Sehnsucht trotz vielen Scheiterns ob der Ergebnisse sich bis heute lebendig hält? Und wie ist er in unserer heutigen Zeit, vor allem auch in Hinblick als heilsamer Prozess auf erkrankte Patienten und in Bezug zu dem/ der TherapeutIn selbst zu verstehen?

 

–  Fortsetzung in Teil 2 folgt    –
Naturheilpraxis Pätzold   l   www.naturheilpraxis-paetzold.de

Quellen:

http://anthrowiki.at/Alchemie

Allison Coudert „Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten“, Pawlak Vlg Lizenzausgabe 1992

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